
Eine wachsende Ansammlung für Rattengenetik Interessierte
Auf dieser Seite wird ein kleines Nachlagwerk für alle entstehen, die sich selber etwas für die Rattengenetik interessieren und gerne mal einen kurzen Einblick erhaschen möchten.
Genetik so einfach wie möglich😊
(Weil nicht alle studierte Biologen oder Genetiker sind)
Jede Ratte bekommt die Hälfte ihrer Gene von Mama und die andere Hälfte von Papa.
Diese Gene bestimmen mit, wie die Ratte aussieht – zum Beispiel welche Farbe, Zeichnung, Fellart oder Ohrenform sie hat.
Dabei kann eine Ratte Gene in sich tragen, die man ihr gar nicht ansieht. Gibt sie diese an ihre Babys weiter und trifft dort das passende Gen des anderen Elternteils, kann plötzlich etwas zum Vorschein kommen, das bei Mama und Papa gar nicht sichtbar war.
Kurz gesagt:
Mama gibt die Hälfte mit, Papa gibt die Hälfte mit – und bei jedem Baby werden die Karten neu gemischt.
Wichtige Begriffe/Bezeichnungen
Phänotyp
Das tatsächliche Erscheinungsbild der Ratte, also so, wie ihr sie seht, in ihrer ganzen Pracht.
Genotyp
Das was die Ratte genetisch trägt (DNA) und manchmal nicht mit bloßem Auge zu sehen ist.
Allele & Genlokus
Die Allele sind verschiedene Möglichkeiten, was vorkommen kann. Bei Ratten hat jedes Tier 2 Allele. Also 2 Möglichkeiten. Der Genlokus ist die fest verankerte Position eines Gens.
Bildlich: Stellt euch einen Schrank vor, der immer 2 Reihen Schubladen nebeneinander hat. Die 2 Schubladen einer Reihe sind eure 2 Allele bei der Ratte. Also ist in jeder Schublade (Allele) eine Möglichkeit für ein Gen versteckt. (Zum Beispiel in einer Schublade ist Siam drin und in der daneben die Farbe Mink) je nachdem in welcher Reihe eures Schranks die beiden "vollen" Schubladen sich befinden, zeigt euch der Genlokus an. Z.B die 3. Reihe von Oben (Reihe C) wäre dann hier der C Lokus. Hier sind als einziges in eurem Schrank die beiden benachbarten Schubladen (Allele) gefüllt.
Homozygot / Heterozygot
*homozygot / reinerbig – beide Allele an einem Lokus sind gleich, z. B. aa.
*heterozygot / mischerbig – die beiden Allele unterscheiden sich, z. B. Aa.
Mutation
Eine Mutation ist eine Veränderung im Erbgut (DNA).
Man kann sich die DNA wie eine riesige Bauanleitung für die Ratte vorstellen. Wird an einer Stelle dieser Bauanleitung etwas verändert, kann dadurch eine neue Variante eines Merkmals entstehen.
So können zum Beispiel Veränderungen entstehen, die Farbe, Fellstruktur, Zeichnung oder andere Eigenschaften beeinflussen.
Ist eine solche Mutation vererbbar, kann sie von den Eltern an ihre Babys weitergegeben werden.
Dilute
Dilute bedeutet „Verdünnung“.
Ein Dilute-Gen verändert bzw. verdünnt die ursprüngliche Fellfarbe einer Ratte. Dadurch kann aus einer dunkleren Grundfarbe eine hellere oder anders wirkende Farbe entstehen.
Einfach gesagt:
Die Grundfarbe bleibt genetisch die Basis, wird durch ein Dilute aber sichtbar verändert.
Träger
Träger = Die Ratte hat es genetisch „im Gepäck“, zeigt es aber selbst nicht. Sprich sie kann es auch weitergeben wenn die Umstände stimmen.
Letal/Lethal
Letal bedeutet „tödlich“.
In der Genetik spricht man von einem Letalfaktor oder einer letalen Genkombination, wenn eine bestimmte genetische Kombination dazu führt, dass ein Tier nicht lebensfähig ist.
Je nach Gen kann das bedeuten, dass Embryonen bereits im Mutterleib absterben oder resorbiert werden, Jungtiere kurz nach der Geburt sterben oder schwere, nicht mit dem Leben vereinbare Erkrankungen entwickeln.
Die Gencodes
Damit man Gene nicht jedes Mal ausschreiben muss, werden sie mit Buchstaben und Zeichen abgekürzt.
Da eine Ratte von Mama und Papa jeweils ein Allel bekommt, besteht ein Gencode an einem Genlokus meistens aus zwei Buchstaben bzw. Zeichen.
Zum Beispiel:
A/A – zwei gleiche Allele
A/a – zwei unterschiedliche Allele
a/a – zwei gleiche Allele
Groß- und Kleinbuchstaben haben dabei eine Bedeutung. Häufig wird ein dominantes Allel groß und ein rezessives Allel klein geschrieben.
Manchmal sind die Codes aber etwas komplizierter und enthalten zusätzliche Buchstaben oder hochgestellte Zeichen. Das liegt daran, dass es an manchen Genorten mehr als zwei mögliche Allele gibt.
Wichtig: Ein Gencode beschreibt die genetische Ausstattung einer Ratte – nicht automatisch das, was wir äußerlich sehen.
So liest du die Gencodes
Beispiel: A/a
A = Allel von einem Elternteil
a = Allel vom anderen Elternteil
Die Ratte besitzt also zwei unterschiedliche Allele an diesem Genlokus und ist damit heterozygot/mischerbig.
Da A dominant über a ist, sieht man äußerlich das Merkmal von A. Das rezessive a trägt die Ratte aber trotzdem und kann es weitervererben.
Wie funktionieren dominant und rezessiv?
Dominante vererbung
Sobald ein Gen dominant ist und eines rezessiv, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das dominante Gen sich durchsetzten wird sehr hoch. Von einem dominanten Gen wird nur eines benötigt, damit es an die Nachkommen weitergegeben werden kann. Es reicht somit, wenn nur ein Elterntier dieses Gen besitzt.
Rezessive vererbung
Von einem rezessiven Gen braucht es immer beide Elterntiere, welche dieses tragen müssen, damit es an die Nachkommen weitergegeben werden kann.
In diesem Beispiel wurde als rezessives Gen Fuzz (FZ) genommen. Als Platzhalter für den zweiten Lokus (falls frei) wurde ein + verwendet.
Welche Gene sind dominant und welche rezessiv?
Welche Gene sollten nicht gekreuzt werden?
Eine kleine Übersicht von Ratten, die unserer Meinung nach gar nicht oder nur mit größter Umsicht gezüchtet werden sollten.
Manx (Bobtail)-schwanzlose Ratten 🚫
Die schwanzlosen Ratten (Manx oder Bobtail genannt) sind eine ganz klare Qualzucht in unseren Augen. Jegliche Zucht sollte abgelehnt werden. Sie kommen gleich mit einem ganzen Rucksack an Problemen:
○ Gleichgewichtsstörungen: Der Schwanz spielt eine wichtige Rolle für das Gleichgewicht von Ratten. Ohne ihn können sie schlecht balancieren.
○ Schwierigkeiten bei der Temperaturregulierung: Ratten können nicht schwitzen und geben überschüssige Wärme über ihren Schwanz ab. Ein fehlender Schwanz kann dies erschweren und schnell zu einem (tödlichen) Hitzeschlag führen.
○ Erhöhtes Verletzungsrisiko: Aufgrund der Gleichgewichtsprobleme sind schwanzlose Ratten anfälliger für Verletzungen.
Fatrat 🚫
Das sind die vor allem in den USA verbreiteten "Fatrats":
Wir stufen diese Tiere ganz klar als Qualzucht ein und unterstützen sie in keinster Weise.
Genetische Fettleibigkeit: Bestimmte Farballele können zu genetisch bedingter Fettleibigkeit führen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigt und Organ-, Gelenk- und Herzprobleme verursacht. Oft leiden diese Tiere ihr ganzes Leben lang unter Schmerzen. Natürlich wird auch die Lebenserwartung deutlich verkützt.
Double⚠️
Bei folgenden Ratten sollte darauf verzichtet werden zwei Tiere mit den selben Phänotypen zu verpaaren. Bei allen kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen, und/oder einem erhöten Sterberisiko bei der Geburt für sowohl Muttertier als auch Nachwuchs. In einigen wenigen Fällen kann eine gezielte Double Verpaarung für eine Zucht von Vorteil sein (um Wissen zu erlangen). Im Normalfall sollte aber davon abgesehen werden.
- Double Rex
- Double Velveteen
- Double Harley
- Double Hairless
- Double Fuzz
- Double Patched
- Double Dumbo
- Double Merle
- Double Down Under
- Double DWS
High white (DWS)⚠️
Was ist DWS/ High White?
DWS (Dominant White Spotting) bezeichnet eine Form der Weißscheckung bei Ratten. Dabei können große Teile des Körpers unpigmentiert, also weiß, bleiben.
Je nach Ausprägung kann die Ratte nur zusätzliche weiße Bereiche zeigen oder sehr stark weiß gezeichnet sein. Wie viel Weiß eine Ratte hat, verrät aber nicht automatisch sicher, ob sie DWS trägt. Nicht jede Ratte die viel Weißanteil hat ist automatisch DWS. Das Risiko dass es so ist, ist aber natürlich höher.
Für die Zucht ist DWS besonders wichtig, weil bestimmte genetische Konstellationen mit einem erhöhten Risiko für Megacolon verbunden sein können. Deshalb sollte man bei High-White-Tieren die Abstammung und Verpaarung besonders beachten.
Woran erkenne ich DWS bei einer Ratte?
DWS kann sich durch ungewöhnlich große oder unregelmäßige weiße Bereiche zeigen, zum Beispiel durch Blaze, Headspot oder sehr starke Weißscheckung.
Wichtig: Am Aussehen allein lässt sich DWS nicht sicher bestimmen. Auch Abstammung und Würfe der Linie müssen berücksichtigt werden.
Megacolon
Megacolon ist eine schwere Erkrankung des Dickdarms, bei der der Darm stark erweitert ist und der Kot nicht richtig weitertransportiert werden kann.
Betroffene Ratten können unter anderem einen aufgeblähten Bauch, Verstopfung, Wachstumsprobleme und Gewichtsverlust zeigen. Bestimmte High-White-/DWS-Konstellationen können mit einem erhöhten Risiko für Megacolon verbunden sein. Megacolon kann leider sehr schnell tödlich enden, vor allem für Babys.